Tamedia: Die Journalisten dürfen, die Leser dürfen nicht

Die Tamedia-Zeitungen löschen einen Leserkommentar willkürlich. Und schreiben dann das Gleiche in einem redaktionellen Artikel.

Am 10. April erschien auf den Internet-Portalen der Tamedia-Zeitungen ein Artikel über die Iran-Gespräche in Pakistan: Titel: «Welcher Plan? Friedensverhandlungen starten auf wackliger Basis.»

Ein Leser kommentierte das Vorgehen der USA auf bernerzeitung.ch so: «Motto in Moskau und Beijing: Unterbrich deinen Feind nicht, wenn er Fehler macht.» Er hatte seinen Kommentar an eine Schlagzeile des «Economist» angelehnt: «Never interrupt your enemy when he’s making a mistake.»

Tamedia lehnte den Kommentar ab. Warum, ist unklar. Denn über Löschungen führen die Zeitungen «keine Korrespondenz». Erstaunlich ist die Löschung deshalb, weil er nicht gegen die Tamedia-Kommentarregeln verstösst.

Noch erstaunlicher ist allerdings, dass auf den Internet-Portalen der Tamedia Zeitungen ein paar Stunden später ein weiterer Artikel erschien. Und dort stand: «Den Gegner nicht stören, wenn er Fehler macht.»

«Den Gegner nicht stören, wenn er Fehler macht»: Als Kommentar nicht zulässig, in einem Artikel schon.

Mit anderen Worten: Tamedia löschte den Leserkommentar und schrieb ein paar Stunden später in einem redaktionellen Artikel das Gleiche.

Deshalb wollte Infosperber wissen:

Gegen welche Regeln hat der Kommentar verstossen?

Warum darf im redaktionellen Artikel stehen, was im Leserkommentar nicht zulässig ist?

Tamedia brauchte mehr als eine Woche für eine Antwort. Wobei – eine Antwort ist es nicht. Im Mail steht bloss ein bisschen Werbung in eigener Sache: «Tamedia steht für hochwertigen Journalismus, Ausgewogenheit und Vielfalt.» Und: «Auf unseren Angeboten gelten klare Community-Regeln und ein professioneller Moderationsrahmen.»

Übrigens: Der Infosperber-Leser kommentierte auch den zweiten Artikel auf bernerzeitung.ch: «Lustig: ‹The Economist› hat genau den gleichen Titel und Lead wie die Berner Zeitung, hat wohl abgeschrieben.»

Natürlich löschte Tamedia auch diesen Kommentar.

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Keine
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