«Pro Natura»: Jährlich 80’000 Menschen mehr seien kein Problem

Ausgerechnet die Umweltorganisation «Pro Natura» sagt, unsere Umweltprobleme hätten mit dem Bevölkerungswachstum nur wenig zu tun.

In den letzten fünf Jahren nahm die Bevölkerung der Schweiz jedes Jahr um fast 80’000 Menschen zu. «Pro Natura bestreitet nicht, dass das Bevölkerungswachstum die Herausforderungen mit der Natur verschärft», erklärte zwar Stefan Kunz, Leiter Politik und Internationales auf eine Anfrage von Infosperber. 

Doch im neusten Magazin von «Pro Natura» hatte er noch Aussagen von Bundesrat Beat Jans zugestimmt: «Unsere Umweltprobleme haben nichts mit der Zuwanderung zu tun.»

Infosperber fragte nach: «Ist Pro Natura der Ansicht, dass die Zunahme der Bevölkerung um fast zwei Millionen in gut zwanzig Jahren keinen negativen Einfluss auf die Umwelt und die Natur hatte?» Antwort des «Pro Natura»-Geschäftsleiters Kunz: «Der Pro-Kopf-Konsum ist in den letzten zwanzig Jahren viel stärker gewachsen als die Anzahl Menschen. Entsprechend ist dieser Pro-Kopf-Konsum der viel grössere Hebel als die Anzahl Menschen.» Deshalb setze sich seine Organisation «im Rahmen von Raumplanungs-, Biodiversitäts- und Landwirtschaftspolitik» für eine suffiziente Gesellschaft ein.

Allerdings trifft die Behauptung von «Pro Natura» nicht zu: Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz hat seit 2000 um mehr als 25 Prozent oder um 1,9 Millionen Menschen zugenommen. Dagegen haben die realen Konsumausgaben pro Kopf um höchstens 20 Prozent zugenommen. Das lässt sich aus Daten des Bundesamts für Statistik ableiten. Der Pro-Kopf-Konsum hat also weniger stark als die Bevölkerung zugenommen und keinesfalls «viel stärker», wie von «Pro Natura» behauptet. 

«Wohnort spielt keine Rolle»

«Pro Natura» verbreitete zudem Bundesrat Jans’ Aussage: «Für die globale Umweltbelastung spielt es keine Rolle, auf welcher Seite der Grenze ein Mensch lebt.»

Infosperber wollte von «Pro Natura» wissen, ob «ein Einwohner der Balkanstaaten die globale Umwelt in gleichem Mass belastet wie ein Einwohner der Schweiz?» Eine konkrete Antwort blieb aus. Generell meinte «Pro Natura», in Ländern der EU oder der Efta würden Menschen «ähnlich viele Ressourcen» verbrauchen wie Einwohner in der Schweiz. «Entscheidend ist, wie wir konsumieren, produzieren, bauen und schützen. ‹Pro Natura› setzt sich für eine suffiziente Gesellschaft ein, die mit weniger Ressourcen auskommt und Natur und Landschaft sorgfältig behandelt.»

Nur halb gerechneter Ressourcenverbrauch 

«Pro Natura» verbreitete auch die Behauptung, dass der «Materialverbrauch und die Treibhausemissionen in der Schweiz trotz Bevölkerungswachstums gesunken» seien. Auch dies ist eine irreführende Aussage. Denn sie trifft nur zu, wenn die Ressourcen und der CO2-Ausstoss der Produkte vergessen werden, welche die Schweiz importiert. Das Bafu, das BFS und auch Greenpeace erklären übereinstimmend, dass etwa zwei Drittel des Fussabrucks der Schweiz auf importierte Güter und Vorleistungen fallen. Dieser Anteil ist seit Einführung der Personenfreizügigkeit gestiegen. 

«Pro Natura» meint dazu, es sei «nicht darum gegangen, […] wie die Umweltbelastung in der Schweiz zustande kommt».

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Keine
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